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Einsteigertipps für den Einstieg in den F-Schlepp

Willkommen bei den Einsteigertipps

Der Start ist nicht nur für ambitionierte Wettbewerbsflieger ein elementar wichtiger Baustein der F-Schlepperei; um sich besser in die Rollen des Motor- und Seglerpiloten hineinversetzen zu können, haben wir mal zwei Phantasiepiloten mit den Namen Max und Heinz getauft. Eine Identität zu lebenden Piloten wäre rein zufällig. Max ist Schlepp-Pilot und Heinz ist Segler-Pilot, die beiden haben vor Jahren mit dem                 F-Schlepp begonnen und plaudern ein wenig aus ihrem  „Nähkästchen.“

Bevor es losgeht, checken die beiden zunächst einmal die Windbedingungen am Platz, die Startrichtung wird festgelegt und die beiden sprechen kurz über Ihre meteorologischen Eindrücke an diesem Flugtag. Nehmen wir einmal an, an diesem Tag herrscht Windstärke 2  mit leichtem Seitenwindcharakter. Max startet seinen Motor, macht einen Ruder- und Funktionscheck, hängt das Schleppseil ein und rollt zur Startpostion. Heinz positioniert seinen Segler ca. 20 Meter dahinter und hängt ebenfalls das Schleppseil ein, auch hier folgt ein kurzer Funktionscheck und ein Test, ob die Kupplung auch sauber das Schleppseil ein- und ausklinkt.

Nun zieht Max das Seil straff und da es der erste Flug an diesem Tag ist, hält ein Helfer das Modell fest und der Motor wird über sein gesamtes Drehzahlband gestestet. Umsichtig wie Max und Heinz sind, haben die beiden zuvor bereits einen Reichweitentest durchgeführt, auch dies ist ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsaspekt vor jedem Schlepptag. Heinz Segler neigt mit einer Flächenseite am Boden, er zentriert das Segelflugmodell mittig zum Schleppmodell und konzentriert sich auf den Start. Die beiden stimmen sich kurz ab und es kann los gehen. Max gibt sanft aber zügig Gas und lässt das Motormodell Fahrt aufnehmen, dabei korrigiert er aufgrund des leichten Seitenwindes den Rumpf mittels Seitenruder in die gewünschte Flugbahn.

Heinz gibt beim Start volles Querruder entgegen der hängenden Fläche, liegt dies also mit dem Rangbogen auf der linken Seite, gibt er rechts und umgekehrt entsprechend anders herum. Beim Start des Seglers baut sich die Fahrt erst langsam, dann jedoch zügig auf.  Sobald die Flächen aufgerichtet sind, lässt Heinz den Steuerknüppel des Querruders zügig zur Mitte zurücklaufen. Macht er dies nicht oder gar zu langsam, so wird die nunmehr anliegende Fahrt des Seglers die Ruderwirkung enorm verstärken, konkret würde das Modell zur gesteuerten Seite umschwenken und im schlimmsten Falle würde der Randbogen auf den Boden schlagen, was keinesfalls gewünscht ist. Ggf. kann auch ein Helfer das Modell an der Fläche führen, dann aber in jedem Falle so lange mitlaufen lassen, bis die Ruder Ihre volle Wirkung haben, sprich: „Fahrt liegt an“. Lässt der Helfer das Modell zu früh los, wird ebenfalls eine Fläche wieder herunterfallen, was wiederum schädlich wäre.

Der Segler wird dann nach ca. 10-15 Meter abheben und nun zieht Max an der Schleppmaschine leicht das Höhenruder und das Gespann hebt ab. Der Segler sollte dabei immer ein wenig über der Schleppmaschine fliegen. Tut er das nicht, wird Heinz ein wenig Höhenrudertrimmung dazu geben. Das oft beobachtete manuelle Hochziehen des Höhenruders ist nicht gut, denn spätestens nach 100 Metern Entfernung wird man dies nicht mehr einschätzen können. Heinz fliegt ein gut ein gestelltes Segelflugmodell oftmals im gesamten Schlepp ohne Höhenrudereinwirkung, ein gut getrimmtes Modell macht dies selbständig.

Aufgrund der Seitenwindneigung ist ein sogenanntes „vorhalten“ des Scheppgespannes unumgänglich, d.h. das Gespann bzw. beide Modelle werden schräg zum Wind „vorhaltend“ ihre Flugbahn fortsetzen, d.h. die Nase der Modelle müssen leicht in den Wind gedreht werden.

Zur ersten Kurve wird Max nun ganz leicht mit Seitenruder die erste Kurve einleiten, sanft ist es dann, wenn die Rückmeldung des Modells erst wenige Sekunden danach beginnt, der Rumpf dreht ein zur ersten  Kurve -  Max „stützt“ nun mit Querruder nach, was bedeutet,  er steuert demzufolge entgegengesetzt mit dem Querruder die Flächen an, ansonsten würde das Schleppmodell in die Kurve hineinfallen.

Heinz hingegen wartet nach Ansage der ersten Kurve zunächst mal ab, erst wenn das Motormodell spürbar seinen Kurvenradius einnimmt, steuert er ebenfalls mit leichtem Seitenrudereinsatz hinterher, auch er bemüht sich durch Stützen der Querruder ein zu starkes Eindrehen der Flächen zu unterbinden. Optimal ist es, wenn der Kurvenradius des Seglers anschließend exakt dem des Schleppers entspricht.

Zusammen schaffen wir das ...

Klassische Fehlerquellen sind beim Segler:

  • Der Segler dreht zu früh ein, also warten bis das Motormodell dies vollzogen hat …
  • Der Seglerpilot steuert zu stark ein, weniger ist mehr, der Segler wird gezogen und nicht umgekehrt, gefühlvoll steuern und den Seilzug nicht unterbrechen …
  • Der Seglerpilot steuert mit dem Querruder in die Kurve heinein, dadurch kürzt er die Wegstrecke ab, das Seil hängt durch, ein dann folgendes zu starkes Rucken hätte womöglich ein Ausklinken zur Folge …
  • Der Segler liegt dem Schlepper auf dem Höhenruder, gerade bei schweren Seglern führt dies gar zum Absturz, ein gut getrimmter Segler liegt immer über der Schleppmaschine in leicht überhöhter Lage zum Schleppmodell …
  • Kombi-Switch, wenn überhaupt nötig, unbedingt beim Schlepp ausschalten …
  • Klassische Fehlerquellen sind beim Motorpiloten:
  • Zu schnelle Schleppgeschwindigkeit  mit zu geringem Steigwinkel bedeutet in der Folge, das Gespann wird unruhig, die Reaktionskräfte steigen um ein vielfaches …
  • Der Schlepper fliegt einen zu engen Kurvenradius, infolgedessen der Segler nicht folgen kann …
  • Der Schlepper dreht über die Querruder ein, womöglich gar mit „Kombi Switch“, die Kurve wird zu eng, der Segler kann nicht mehr folgen, im folgenden Aussenradius baut er enorme Fahrt auf und läuft auf …
  • Hektische Lenkmanöver jeder Art lassen das Seil unruhig werden …
  • Bei fast aussichtslosen Schleppmanövern wird immer noch versucht, dass ganze zu retten, was jedoch Gefahr für beide Modell birgt, also lieber neu versuchen als Modelle zu riskieren

Das Schleppseil überträgt jeden kleinsten Fehler, sowohl von vorne nach hinten als auch umgekehrt. Der Motorpilot ist der aktive Partner im Gespann, er gibt die Flugbahn vor, der Seglerpilot übernimmt den passiveren Teil, natürlich kann ungewolltes falsches Steuern auch ihn zum dominanten Piloten machen, der für einen Abbruch sorgt, aber getreu dem Motto „weniger ist mehr“ sollte er beherzt dahinter nur auf ein sauberes Hinterherfliegen achten.

Nun sind Max und Heinz geübtere  Piloten, aber sie haben auch mal ganz „zittrig“ angefangen; in Kürze geht´s um das sichere Fliegen eines Rechteckes und das saubere Ausklinken des Schleppseiles.

Teil 2

Der Begriff des Rechteck Fliegens stammt zum einen aus der Wettbewerbsfliegerei, zum anderen muss er jedoch auch auf einigen Modellflugplätzen eingehalten werden, gilt es doch, die im Rahmen der Flugbetriebsordnung gesteckten Flugzonen nicht zu überfliegen. Demzufolge nützt es auch fern jeder Wettbewerbsambitionen den Piloten, die eigentlich nur am heimischen Platz den F-Schlepp betreiben.

Ein Schlepprechteck besteht mathematisch simpel erklärt natürlich aus zwei langen und zwei kurzen Fluglinien, jedoch in Anbetracht von Wind und dessen Stärke werden die Piloten auf diesen Schleppkurslinien nicht lange bleiben, beherzigen sie nicht einige wichtige Regeln. Erinnern wir uns an Max und Heinz, unseren Schlepp- und Seglerpiloten. Die beiden hatten bereits die erste Hürde sprich’ Kurve genommen und befinden sich auf der kurzen Rechtecklinie in Richtung Kurve 2, Max wird nun wie schon einmal ausgeführt minimal mit Seitenruder die Kurve einleiten, mit einem Moment der Verzögerung erst wird diese Kurve dann sichtbar, was Heinz mit beherztem Gegensteuern das Querruders quittiert, Heinz wird erst beim optischen Wahrnehmen der Kurve von Max ebenfalls seinen Segler minimal mit in die Kurve einsteuern. Optimal ist es, wenn der Winkelverlauf des Schleppers von Max mit dem folgenden Winkelverlauf von Heinz Segler übereinstimmt. So gerüstet wird dann die Gegengerade in Angriff genommen, egal ob im Wettbewerb oder beim heimischen Schleppen, es gilt das Schleppgespann steigen zu lassen, in der Regel wird ein gut eingetrimmter Schlepper wie der von Max diese Aufgabe von alleine erledigen. Dies per Hand via Höhenruder zu steuern ist nicht wirklich harmonisch möglich, der Segler von Heinz soll leicht überhöht dem Max folgen, auch das ist eine Sache der Einstellung. Als kleine Faustformel hat Heinz mal berichtet, je größer der Segler, je stärker die Eigenschaft, dass das Segelflugmodell im Schlepp und danach im Gleitflug unterschiedlich getrimmt werden muss. Hierzu eignet sich hervorragend eine Zumischung des Höhenruders über den Schalterverlauf der Schleppkupplung. Im Beispiel von Heinz hat er ein wenig Höhentrimmung zugemischt, welche im Zuge des Ausklinkens über das Umlegen des Schalters der Schleppkupplung wiederum entfernt wird. Max, der Schlepper nimmt es mit breitem Grinsen zur Kenntnis. Ein Seglerpilot der einem auf dem Ruder liegt, macht einen Schlepp oft zur Tortour, mal abgesehen von dem nicht unerheblichen Risiko, dass ein Höhenruderservo beispielsweise Schaden nimmt, kann so etwas gar einen Schlepperabsturz zur Folge haben. Heinz hat inzwischen keine Probleme mehr damit, der Segler fliegt leicht überhöht ebenfalls stabiler und beide im Team sind Mal wieder glücklich. Doch inzwischen nähern sich die beiden Kurve 3, dies ist eine Von Rückenwind geprägte Kurve. Max weiß, wenn er nun zu viel Höhe in die Kurvenpassage einfließen lässt, nimmt er die Fahrt heraus und Heinz könnte ins Straucheln kommen. Routiniert wie er ist, lässt er instinktiv den Schlepper laufen, er beobachtet in Abhängigkeit der Geschwindigkeit des Schleppers dessen Flugverlauf und korrigiert nur minimal. Weniger ist mehr gilt ganz klar in allen Sparten der F-Schlepperei, brutale Lenkmanöver werden immer scheitern. Aus Erfahrung kann Max berichten, dass ungeübte Seglerpiloten oft aus Angst, etwas falsch zu machen, zu früh in die Kurve einlenken; ein solches Abkürzen der Kurve ist ebenfalls gefährlich. Heinz jedoch hat diese Phase längst überwunden. Sauber passieren die beiden die kurze Strecke zu Kurve 4, wiederum die oftmals auch schwierigste, da man von nun an aus Platzsicht nicht mehr die Neigung des Gespanns erkennen kann. Gefühlvoll mit wenig Höhenruderausschlag lässt Heinz auch hier den Schlepper mittels Seitenruder eindrehen und stützt mit entgegengesetzem Querruder. Jetzt, in dem Moment, wo er gegen den Wind seinen Schlepper geradelegt, wird dieser natürlich windbedingt verlangsamt, nun gilt es das Modell mit Fahrt auf Kurs zu halten, dies geschieht jedoch nicht durch Drücken oder mehr Gas, sondern es ergibt sich aus der gefühlvollen Rücknahme des Höhenruders.

Max redet hier von minimalsten Ausschlägen, Heinz wird ebenfalls beim Umlegen des Seglers gegen den Wind das Modell „laufen lassen“ müssen, um nicht das Gespann in der Luft aufzuhängen. Was die beiden hier zelebriert haben, ist natürlich im Alltagsschlepp durch höheren Gaseinsatz leichter umzusetzen, aber das Gefühl dafür und das Verständnis, das hier gelesene nachzuvollziehen, hat nur jener Pilot, der es sich mal zur Aufgabe gemacht hat, es selbst auszuprobieren.

Wenn Max und Heinz dann ihre Ausgangshöhe erreicht haben, stimmen sich die beiden ab, etwa in der Form, dass Heinz seinen Ausklinkvorgang frühzeitig ankündigt und Max entsprechend die Fluglage horizontal neigt und ggf. auch ein wenig das Gas drosselt, Heinz klinkt dann aus und fliegt zunächst noch geradeaus, Max spürt als erfahrener Pilot, das Motormodell fliegt eigenwilliger und reagiert auch spontaner, der Segler ist also tatsächlich ausgeklinkt, dennoch wird er aus Gründen der Sicherheit nicht sofort abtauchen, sondern erst nach klarem Erkennen des Abstandes zum Segler, dies vornehmen. Im Alltagsbetrieb gibt es dort die kühnsten Manöver zu sehen. Oftmals klinkt der Seglerpilot einfach aus und schießt dann mit gewaltiger Überfahrt Richtung Weltall. Solche Manöver birgen wiederum enorme Gefahr, der Segler könnte das Schleppmodell treffen. Ebenso könnte unter solcher Zugbelastung die Kupplung des Seglers das Seil nicht freigeben. Max und Heinz haben sich zuvor abgesprochen, die beiden sehen sich erst beim nächsten Schlepp wieder. Ich wünsche den beiden und Euch allzeit ein straffes Schleppseil und sprecht über Eure Vorhaben vor, beim und nach dem Schlepp.

F-Schlepp Praxis Stephan Wiederholt Wilga zieht Alois Schiegg Astir CS

F-Schlepp Tipps Ende gut alles gut

 

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