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Der Arcus im Focus

Eine kleine Gedankensammlung zum Modell, den Komponenten und wie schließlich aus einem Baukasten eine flugbereite Orchidee entstanden ist, berichtet Ulf nachstehend …

Vor 2 Jahren begleiteten Christoph und ich, Heiko Baumgärtner www.hb-modellbau.de zur Herbstmesse nach Friedrichshafen. Damals hatte er gerade die ersten Flächen seines neuen Arcus dabei und stellte diese der Öffentlichkeit vor. Da ich schon den Puchacz, den Bocian und den SZD 59 aus seiner Werkstatt in den letzten Jahren mit Begeisterung gebaut und erfolgreich geflogen habe, war ich abermals fasziniert von der Qualität und der perfekten handwerklichen Arbeit. Die Tragflächen mit dem Mehrfachknick ( V-Form ) sowie des Mehrfachtrapezes nach vorne und dann nach hinten, sind schon extrem schwierig zu bauen und erfordern genaue Kenntnisse über die auftretenden Kräfte. Die Tragflächen des Arcus werden deshalb in speziell dafür angefertigten Pressformen gefertigt ohne das ebenfalls tragende Abachi-Furnier an irgendeiner Stelle einzuschneiden! Also eine dreidimensionale Verformung von Holzteilen. Als Schreinermeister weiß ich das besonders zu schätzen!

Auf Wunsch werden 2 verschieden Klappentypen eingebaut, wahlweise Aluminium-Klappen aus dem Hause Schambeck oder Kohlefasersandswichklappen vom Joseph Eichstätter.

Da ich im SZD 59 sehr sehr gute Erfahrungen mit den letzteren gemacht habe wählte ich die Kohlefaser-Klappen. Sicherlich werden mir viele Modellbauer zustimmen, es gibt nichts schlimmeres als sich auf dem Platz mit nicht exakt fahrenden Klappen auseinanderzusetzen. Selbstverständlich sind die Servo-Einbaurahmen ( z.B. MPX ) fertig aus gefräst. Die Nasenleisten sind angeformt und der komplette Flügel ist geschliffen. Die Klappen / Querruder sind abgetrennt und mit perfekten in Kohlefaser verstärkten Hohlkehlen versehen. Eine sauber eigens gefertigte Vierkantsteckung mit entsprechender V-Form komplettieren die Bauteile.

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 Dort auf der Messe reifte der Wunsch auch mal einen Wölbklappenflieger mein Eigen zu nennen. Die ersten Flieger wurden ausgeliefert und die Rückmeldungen waren wie bei den manntragenden Exemplaren so vielversprechend, das die Entscheidung gefallen war, so einer muss her! Ende des vergangenden Jahres war es rechtzeitig zur bevorstehenden Bausaison soweit.

Die ersten Überlegungen dienten der Entscheidung der zu verwendenden Servos, Akkus und Sensoren. Zielsetzung war es, einen mit hochwertigen Komponenten ausgestatteten Flieger zu bauen, dabei aber meinem seit Jahren erfolgreich praktiziertem Konzept der Einfachheit Rechnung zu tragen.

Also ein MPX 16 Kanal Pro Empfänger, 2 Lipo 2/3200er Akkus, 1 Schalter und   -  fertig!

Schnell war für mich klar das MPX 7,4 V Servos eingesetzt werden sollten. Erste Bedenken, das 15 Servos bei längeren Flügen zu viel „Strom“ verbraten wurden durch ein Telefonat mit MPX schnell zerstreut.

Momentan vollzieht sich bei mir ein Wandel in der Servoauswahl, ich verwende ausschließlich hochwertige MPX / Hitec Servos und passe diese durch Programmierung den Notwendigkeiten an. Das heißt, es zieht kein Servo mehr als es wirklich zur einwandfreien Betätigung der entsprechenden Ruder oder Funktionen benötigt. Kräfte und Geschwindigkeiten, Wege sowie Überlastabschaltung und vieles mehr werden vorab angepasst. In der Nulllage brummt auch kein Servo.

Vorwegnehmend kann ich aus mehr als 40 Flugstunden berichten das der max. Strom im Flug nicht mehr als 3,8 A beträgt und das auch nur bei extremen Flugmanövern und Geschwindigkeiten über 200 km/h.

An einem Wochenende hatte ich mehr als 7 h Flugzeit und dabei habe ich die aus 2 Lipo 3200er Akkupacks bereitgestellten 6,4 Ah bei weitem nicht leer geflogen. Nun fragen sich bestimmt einige Leser, woher ich die genauen Daten erhalten habe.....

Klar … -  Sensoren machen es möglich.

Zuvor noch einige Modelldaten:

Maßstab 1:3, Spannweite 6,66 m

Gewicht: 18,0 kg ohne Triebwerk

Gewicht: 18,6 kg mit Triebwerk

Fahrwerk, Rad und Bremse: Uli Hunschok

www.hunschok-modellbau.de

Servos:

Wölbklappen, Quer 1, Höhenruder,

MPX Titan THV digi 5 Higth Torque

Störklappen, Fahrwerk, Bremse, Kupplung, Seitenruder,

MPX Titan SVH digi 5 Torque

Quer 2, MPX Micro digi mit Servo-Voltage-Regulator

Quer 3, MPX Nano Pro MG mit Servo-Voltage-Regulator

Empfängerakku 2x Multiplex 2/3200er Lipo FX Akkus

1x Schalter MPX Safety-Switch 12 HV TwinBatt ( M6 )

1x MPX Empfänger RX-16-DR pro M-Link 2,4

1x Peak-Filter

www.multiplex-rc.de

Pilotenpuppe und Cockpitausbausatz von Axel Pfanmüller www.scalepilots.com

So komme ich gleich zum 2. großen Thema...... die Sensoren. Nach meinen sehr guten Erfahrungen in der Wilga und dem SZD stand von Anfang an fest, das mein neues Modell mit allen möglichen Sensoren versehen werden sollte. Wie in einem Vorbericht schon einmal beschrieben dienen diese nicht der im Flug ständigen Beobachtung und Ablenkung vom wesentlichen, sondern nur zur Kontrolle, Optimierung und evtl. Fehlermeldungen.

Eingebaut habe ich Multiplex-Strom, Spannungs-, Temperatur, GPS und Vario-Sensoren siehe nachfolgenden Belegungsplan.

Belegungsplan

Arcus Sensorbelegung

0

Empfänger Spannung

V        Alarm 6,2 V

1

 

Vario – Sensor  Höhe

 

m      Alarm bei 500

      

2

 

Vario – Sensor  Steigen / Fallen

m/s

3

 

Vario – Sensor Höhe max.

 

m

 

4

A –Sensor Empfänger

6200 mAh

Alarm  bei 1500

5

A –Sensor  Empfänger Strom max.

A max.

6

150er A-Sensor Motor

A

7

150er A-Sensor Motor

5000 mAh

Alarm bei 900

8

°C – Sensor T1 Motor

°C

9

°C – Sensor T2 Innenraum / Regler

°C

10

V – Sensor Akku 1

V          Alarm 6,4V

11

V – Sensor Akku 2

   V       Alarm 6,4V

12

GPS –Sensor moment. Geschwindigkeit

km/h

13

GPS –Sensor max. Geschwindigkeit

km/h

14

Empfänger LQI

%

15

 

 

Kurz vor Baubeginn, also Ende des Jahres 2010 erzählte mir Thomas Gleissner von Airworld-Modell das er ein Stecktriebwerk für seinen ähnlich großen Duo Discus entworfen hätte und dieses über ausgezeichnete Leistungsdaten verfügen würde. Zielsetzung bei der Auswahl der Komponenten sei es gewesen ein für alle praxistaugliches Triebwerk zu erstellen, welches über ein breites Wirkungsspektrum verfüge. Thomas war so freundlich und stellte mir in Zusammenarbeit mit Hacker Motor ein wirklich gutes bezahlbares Konzept zusammen das ich so begeistert war das ich schon in Gedanken die ersten Eigenstarts vollführte.

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Klasse,  das der Triebwerksaufsatz gleich lieferbar war und die nötigen Überlegungen gleich zum Anfang der Bauphase mit einfließen konnten. Für mich war dieses Triebwerk die erste Erfahrung im Elektroflug mit solchen Leistungsdaten. Anfängliche Bedenken über die Positionierung und Einbau wurden sogleich durch die freundliche Unterstützung von Thomas Gleissner und der Fa. Airwold zerstreut. Danke für die perfekte Komponentenauswahl!

Auf die Positionierung der Akkus für Empfänger und Antrieb legte ich ein besonderes Augenmerk. Ich wollte,  das diese einfach und leicht zugänglich seien, - nicht sichtbar, und der Schwerpunkt nicht beeinflusst wird. Rückblickend betrachtend kann ich sagen,  daß das sehr gut gelungen ist. Nur ca. 50 g Blei im Heck wurden letztendlich benötigt. Das bedeutet, daß der Antriebsackku immer mit fliegt. Weiterhin kann ich keinen Unterschied beim Fliegen feststellen, ob das Triebwerk nun oben auf oder abgezogen ist!

Hier auch ein paar Daten:

Triebwerksaufsatz Airwold Modellbau www.airwold.de

Motor Hacker B50 14XL mit Planetengetriebe 6,7:1

Luftschraube GFK RFM 20 x 13 optimiert auf 18,7 x 13

www.hacker-motor.com

Strom 49 A bei Vollast

Steigen ca. 4,5 - 5,5 m/s

2x 5 Zellen Lipo MPX FX 5000er

Motorlaufzeit ca. 5 Min 45 Sekunden

Regler Jeti Master Spin 99 Opto

 

Da das Bauen des Modells keinerlei Schwierigkeiten bereitete möchte ich noch einige Worte über die Oberflächengestaltung verlieren. Seit vielen Jahren lackiere ich meine Modelle selbst. Zuvor habe ich viele Muster gespritzt und die Gewichtsdaten einiger Vorgehensweisen dokumentiert. Dabei bin ich auf folgende Werte gekommen: Scalefolie von Oracover wiegt nach Herstellerangaben ca. 92 g/m2, meine lackierten Flächen liegen bei ca. 115- 120 g/m2

Vorwegnehmend muss ich sagen das meiner Meinung nach, eine Spritzkabine, hochwertige Geräte sowie Komponenten und ein „wenig“ Erfahrung von Nöten sind, um ein Modell zu lackieren.

Also unter dem Motto „wir lackieren jetzt mal“, ist sicherlich zum Scheitern verurteilt. Weiterhin dauerte bei mir die Oberflächengestaltung einfarbig ohne Design  mindestens genau so lange wie der Rohbau, auch das sei an dieser Stelle mal erwähnt !

Meine Vorgehensweise in Kurzform:

 

Ich beschichte im Vorfeld die Flügel mit keiner Seide oder Papier, ( Arbeit und Gewicht )...... Hintergrund war damals das ich als Schreiner bei keinem Möbelstück auf die zu lackierenden Flächen Papier oder sonst welche Beschichtungen aufbringe, um eine glatte Fläche zu erzielen. Die Füller und Lacke der Holzindustrie sind heute so hervorragend das diese formstabil, dauerhaft und UV-beständig und je nach Lack säurebeständig ( Spritzfest ) sind. Beispielgebend sind meine Modelle Alpina, Wilga, und SZD 59.

 

  • Flächen sauber schleifen, Handschliff mit hochwertigen Schleifpapier aus der Holzindustrie auf fest verklebten geradem Klotz, Körnung aufsteigend von 150er bis 320er
  • Enge Rundungen wie Nasenleiste und Randbögen selbstverständlich ohne Klotz....
  • immer Wegwerfgummihandschuhe tragen
  • Entstauben mit Staubtuch von der Fa. Prosol
  • für jedes zu spritzendes Teil einen eigenen Ständer bauen, so das beide Seiten in einem Spritzgang gefüllert bzw. lackiert werden können, auch diese Entstauben.... mit Rumpfständer beim Arcus 18 Stück!
  • 9

10

 

  • Spritzkabine vom Lehrling reinigen lassen.... hi hi, natürlich als Vorbild selber machen!
  • 1. Füllerauftrag Spritzpistole Optima 900 mit 1,5er Düse
  • 2-K Füller PF 240 Fa. Remmers, mind. 48 h Trockenzeit einhalten!
  • Zwischenschliff mit Exenterschleifer Festo weiche Scheibe und Absaugung!, enge Radien per Hand mit 320 er Papier... komplett den Füller abschleifen, bis auf die Poren
  • Entstauben.....
  • 11

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  • 2. Füllerauftrag , Trockenzeit !, mit Zwischenschliff wie vor
  • dem Firmeninhaber verständlich machen das es nicht mehr lange dauert.... hi hi hi........
  • Entstauben
  • 3. Füllerauftrag mit Zwischenschliff Körnung 400er jedoch nur bis zum Durchscheinen der Holzstruktur, auf keinen Fall darf auch nur an einer Stelle die Holzfaser angeschliffen werden!!!!
  • gründliches Entstauben!
  • Alle Teile „entfetten“, abreiben mit Spezialverdünnung zur Glaslackierung
  • jetzt kommt das Wichtigste......Handys ausschalten und der Frau Bescheid geben, man wäre jetzt für keinen erreichbar!
  • Lackierung, gleiche Pistole wie beim Füllerauftrag... mit 2-K-Lack der Firma Zweihorn Novacolor weiß RAL 9016 hoch glänzend ( Holzindustrie )
  • Trockenzeit mit Vorfreude
  • als Letztes......... Jubel und Freude zeigen und vom Ständer nehmen und zu Hause mal zusammenstecken!

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  • Ein Polieren der Flächen nach zu langer Wartezeit- Trockenzeit kam nicht mehr in Frage, da die Flächen so perfekt für mich sind!

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Abschließend nun noch das Wichtigste, wie fliegt denn nun das „Ding“?

Es hat einige Flugstunden / Wochen gedauert bis ich meine wohl endgültigen Einstellungen gefunden habe, diese sind ja immer Gefühlssache und weichen hier und da leicht von den Herstellerangaben ab. Sehr gelungen finde ich wieder die Profilauswahl, welche sich durch sehr gutmütige und hervorragende Kreisflugeigenschaften auszeichnet. Begeistert bin ich von dem hohen Geschwindigkeitsbereich, welches das Profil mit den verschiedenen Klappeneinstellungen hergibt.

Das GPS hat im Langsamflug bei 0-Wind 45 und im Schnellflug schon 205 km/h angezeigt. Sicherlich ist es auch kein Kunstflugsegler,  das ist mir bewusst, jedoch lassen sich auch alle negativen Figuren damit sauber fliegen.

 

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Das Aufstecktriebwerk ist für mich eine der größten Errungenschaften, einfach aufstecken und ab geht´s  in den Abendhimmel.... vor allem nach dem gemeinsamen                F-Schlepp noch eine Runde solo drehen!

 

Super geiler Flieger Heiko, danke!

 

                           Ulf Reichmann

UR 2011

 

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